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Wassermelonen für die Welt

Wie Profitdenken zu Wassernotstand in einer ganzen Region führt

Mahmoud Rida, Christina Schmitt

Im vorigen Sommer gab es in Zagora tagelang kein Wasser. Es kam zu „durstigen Protesten“. Den Grund für den Wassernotstand sehen viele im Anbau von Wassermelonen, die auch nach Europa exportiert werden. Aber stimmt das? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum werden Wassermelonen ausgerechnet in einer Wüstenregion Marokkos angebaut?

Die Wassermelone braucht einen sandigen, trockenen Boden. Die Wüstenregion um Zagora im Süden Marokkos hat genau diesen. Das Gebiet ist das ganze Jahr über warm und sonnig, sodass Wassermelonen sogar zwei Mal im Jahr angebaut werden können.

Warum sind die Wassermelonen aus Zagora so gefragt?  

Der Geschmack der Wassermelonen ist besonders süß. Außerdem sind die Früchte früher reif als in anderen Regionen. Wassermelonen aus Zagora sind bereits im April in den Supermärkten zu finden. Konsumenten weltweit können demzufolge schon vor dem eigentlichen Saisonstart im Juni Wassermelonen kaufen.

Dadurch können die Bauern auf dem internationalen Markt einen höheren Preis erzielen. Statt der üblichen 2 Dirham pro Melone können sie das Vierfache bekommen, bis zu 8 Dirham. Der Export der Wassermelone, beispielsweise nach Europa oder Russland, verspricht den Bauern einen schnellen Profit.

Welche Auswirkungen hat der Anbau von Wassermelonen auf die Natur?

Die Wassermelone ist in Zagora eigentlich nicht heimisch. Die Frucht wird erst seit 2011 in der Region angebaut und hat sich seitdem stark in der Region verbreitet. Die Pflanzen brauchen verhältnismäßig viel Wasser. Eine Frucht mit einem Gewicht von 5 Kilogramm benötigt etwa 1175 Liter, bis sie ausgewachsen ist.

Die Wassermelonenfelder müssen deshalb stark bewässert werden und liegen meist so, dass sie den Dattelpalmen das Wasser abschneiden. Die traditionellen Dattelbäume werden dadurch vernachlässigt und trocknen aus. Dadurch werden immer mehr Gebiete abseits der Melonenfelder zur Wüste.

Welche Folgen hat das für die Bevölkerung?

Das Draa-Tal rund um Zagora ist ohnehin eine trockene Region mit wenig Trinkwasser. Das Leitungswasser schmeckt salzig und gilt als nicht trinkbar. Der Anbau der Wassermelonen verschärft das Problem: Um die Melonen mit ausreichend Wasser versorgen zu können, graben Bauern immer mehr Brunnen – Wasser, das am Ende den Menschen für ihren eigenen Verbrauch fehlt. Die Melonen werden exportiert und damit auch das verbrauchte Wasser. Schon jetzt klagen die Menschen in Zagora darüber, dass nicht nur ihre traditionellen Dattelpalmen sterben. Außerdem wandern junge Menschen aus Zagora ab. Aus dem Wassermangel entsteht Perspektivlosigkeit.

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